„Da nun jedesmal in der Heilung, durch Hinwegnahme des ganzen Inbegriffs der wahrnehmbaren Zeichen und Zufälle der Krankheit, zugleich die ihr zum Grunde liegende, innere Veränderung der Lebenskraft – also das Total der Krankheit gehoben wird, so folgt, daß der Heilkünstler bloß den Inbegriff der Symptome hinwegzunehmen hat, um mit ihm zugleich die innere Veränderung, das ist, die krankhafte Verstimmung des Lebensprincips – also das Total der Krankheit, die Krankheit selbst, aufzuheben und zu vernichten. Die vernichtende Krankheit aber ist hergestellte Gesundheit, das höchste und einzige Ziel des Arztes, der die Bedeutung seines Berufes kennt, welcher nicht in gelehrt klingendem Schwatzen, sondern im Helfen besteht“.

Homöopathie kennt verschiedene Darreichungsformen: Globuli, Tropfen aber auch Tabletten
Disposition
Die Disposition für grippale Infekte, Hautausschläge oder rezidivierende Bronchitiden sollte unbedingt homöopathisch behandelt werden, da diese bei bestimmten Patienten eine deutliche Frequenzveränderung im Organismus nach sich ziehen kann. Schwere akute Erkrankungen können die Konstitution des Menschen so verändern, dass chronische Dispositionen bis in nachfolgende Generationen hineinwirken können. Jeder erfahrene Homöopath findet bei Patienten mit rheumatischer Arthritis oder einer Myokarditis häufig eine Influenza als Auslöser oder bei anderen Erkrankten, die nach einer Pneumonie einen Septumdefekt entwickelten.
Erklärung
Die leichteren Erkrankungen finden sich im unteren, die schwereren im oberen Bereich der Skala. Die Empfänglichkeit für einen Wechsel der Frequenzstufe nach oben kann beispielsweise durch einen schweren seelischen Schock, eine tief gehende Behandlung, oder auch durch eine Impfung ausgelöst werden. Auch bei den nachfolgend einfachen akuten Fällen lässt sich die klassische Homöopathie erfolgreich einsetzen. Es ist eine schnelle, sanfte und sehr wirkungsvolle Art, um den Patienten zur Heilung zu überführen.
Korrekte Fragestellung
Ein Homöopath sollte immer darauf achten, die Symptomatik so zu erfragen, dass der Patient die Frage nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet, denn auf diese Weise erhält man keine verwertbaren Informationen. Es sollten sogenannte offene Fragen gestellt werden, die auch als W-Fragen bezeichnet werden, wie beispielsweise: Wie fing es an? Warum sind sie krank? Was ist passiert?

Seit über 200 Jahren erfolgreich im Einsatz: Homöopathische Mittel für den Alltag
Dosierung
In akuten Fällen hat sich in meiner Praxis die C30er-Potenz als sehr wirkungsvoll erwiesen. Bei sehr schnell auftretenden und heftigen Symptomatiken auch die Potenz C200.
C30 → 3 Globuli lutschen lassen und 3 Globuli in ½ Glas Wasser auflösen, kräftig umrühren und 1 Esslöffel davon einnehmen lassen. Den entnommenen Esslöffel wieder auffüllen und umrühren vor jeder Einnahme (1-3x für 3 Tage).
C200 → 2 Globuli lutschen lassen und 2 Globuli in ½ Glas Wasser auflösen, kräftig umrühren und 1 Esslöffel davon einnehmen lassen. Den entnommenen Esslöffel wieder auffüllen und umrühren vor jeder Einnahme (1-3x für 3 Tage).
Die Posologie kann auch individuell angepasst werden. Beispielweise bei jeder Schmerzattacke häufiger, oder auch seltener bei leichteren Beschwerden.
Leitsymptome oder Keynotes
Von einem meiner Dozenten, Dr. med. Alfons Geukens aus Belgien, habe ich gelernt, wie man durch einfache Symptomenkombinationen, die aus Leitsymptomen zusammengesetzt sind, zum heilenden homöopathischen Akutmittel gelangt. Diese Keynotes, von denen drei oder vier im zu behandelnden Akutfall vorliegen sollten, sind essentiell für eine effektive Verordnung. Zusätzlich kann die Causa für die Verschreibung ausschlaggebend sein. Bei den nachfolgenden Kasuistiken habe ich die Causa und die Leitsymptome fett hervorgehoben.

Ein Herz für Kinder: Keine Medikamente sind so frei von Nebenwirkungen wie Globuli!
Kasuistiken
Akutbehandlung nach Verkehrsunfall
Ich wurde Zeuge eines Verkehrsunfalles. Die betroffene Frau saß als Sozius auf einem Motorroller und der Fahrer kam in der Kurve ins Schleudern, sodass ein Sturz unvermeidlich war. Ich hatte meine Reiseapotheke glücklicherweise dabei und ging sofort zum Unfallort. Der Fahrer blieb unverletzt, aber die Frau hatte viele Abschürfungen am Bein und eine kurzzeitige Amnesie. Sie konnte sich nicht erinnern was passiert war, sie fror und zitterte sofort heftig am ganzen Körper und der Puls raste. Sie war schweißnass.
Verordnung: Ich gab ihr am Unfallort direkt 2 Globuli Aconitum C200 in den Mund. Zwei weitere Globuli löste ich in einer kleinen Schraubflasche in Wasser auf und gab ihr aus dieser Flasche nach gutem Durchschütteln einen Schluck zu trinken.
Reaktion: Bereits als sie die Globuli lutschte, wusste sie was passiert war. Das Zittern endete und sie konnte normal kommunizieren. Der Puls normalisierte sich und sie hörte auf zu frieren.
Zur Sicherheit und zur Versorgung der Wunden riefen wir dennoch einen Rettungswagen.
Die wahlanzeigenden Symptome für Aconitum?
Die Causa der Symptomatik war der Schockzustand, der sich durch den Unfall ergab. Diese war für mich ausschlaggebend für die Verordnung. Die Symptome wie Amnesie, frieren, zittern, rasender Puls und Schwitzen passten ebenfalls hinzu und hatten sich innerhalb von Sekunden entwickelt, was sehr typisch für dieses Mittel ist.
Causa:
Folge von kaltem Wind (Zugluft, Klimaanlagen, etc.), Folge von Schreck, Schock oder Angst
Die Leitsymptome für Aconitum:
- Symptome sind von großer Angst begleitet (Tod, Alleinsein)
- Sehr plötzliche Entwicklung der Symptomatik (z.B. KS, hohes Fieber, steifer Hals, etc.)
- Ausgeprägtes Kältegefühl
- Großer Durst
- Schocksymptomatik (Herzrasen! Beschleunigter Puls, Unruhe, Zittern, schwitzen und frieren, Bewusstseinseintrübung)

Filigraner Anblick: Die Blüte der Belladonna wirkt zart und edel.
Schmerzen nach Zahnwurzelbehandlung
Ein Patient ruft mich an, weil er starke Schmerzen nach einer Zahnbehandlung habe. Es wurde eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. Der Schmerz kommt und geht und ist auf dem Höhepunkt nur schwer auszuhalten. Sobald die Anästhesie nachgelassen hätte, wären die Schmerzattacken immer stärker geworden und hätten sich sehr schnell entwickelt. Auf meine Nachfrage wie er im Gesicht aussehen würde, sah er nach und wunderte sich, dass das Gesicht sehr rot sei und es sich sehr heiß anfühlen würde. Zusätzlich sei er empfindlich gegen Geräusche und Licht. Ihm fiel auf, dass er seit der Behandlung ganz kalte Hände und Füße hätte. Er hätte bereits sein Konstitutionsmittel eingenommen, das habe aber nicht geholfen.
Mittel: Belladonna C 30, 3 Globuli lutschen und 3 Globuli in ½ Glas Wasser auflösen. Bei jeder Schmerzattacke einen Esslöffel nach kräftigem Umrühren davon einnehmen lassen. Vor jeder Einnahme Glas wieder mit dem Esslöffel auffüllen.
Reaktion: Der Schmerz kam in immer größeren Abständen, bis er schließlich bereits am nächsten Tag ganz aufhörte. Hände und Füße seien nicht mehr kalt und die Empfindlichkeit gegen Geräusche und Licht habe abgenommen.
Die wahlanzeigenden Symptome für Belladonna?
Ich ging davon aus, dass sich durch die Zahnwurzelbehandlung eine Entzündung entwickelt hatte, die als Causa für die Verschreibung diente. Die in Wellen verlaufenden Schmerzen, der sich rasch entwickelnde heftige Schmerz, das heiße Gesicht bei kalten Händen und Füßen, sowie die Empfindlichkeit gegen Geräusche und Licht bestätigten die Mittelwahl.
Causa:
Folge von Abkühlung, Sonne, Hitze, Ärger, Zugluft, Entzündung.
Die Leitsymptome für Belladonna:
- Schmerzen verlaufen in
- Akute, sich rasch entwickelnde Krankheitszustände (plötzlich und heftig! DD: Aconitum)
- Kalte Hände und Füße (auch bei Fieber), jedoch heißes Gesicht
- Übersteigerte Sinne (< Licht, Geräusche)
- Extreme Hitze (z.B. bei Fieber, Entzündungen, Schmerzen)

Achtung giftig! Während die Tollkirsche in der Natur sehr giftig ist, wirkt Sie in homöopathischer Dosierung gesundheitsfördernd bei Erkältungskrankheiten und vielem mehr.
Akute Appendicitis
Eine 17-jährige Patientin ruft mich an, da sie von ihrem Arzt gerade die Diagnose Appendicitis bekommen hätte, und sofort ins Krankenhaus fahren sollte. Sie wollte sich erkundigen, ob nicht doch ein homöopathisches Mittel helfen könnte.
Folgende Symptome konnte ich ermitteln: Sie habe kein Fieber, die Leukozyten sind auf 15000/µL angestiegen. Der McBurney-Punkt sei sehr schmerzhaft beim Loslassen gewesen. Es sei ein stechender Schmerz. Sie hätte sich schon seit mehreren Tagen nicht gut gefühlt ohne genau sagen zu können warum und wollte am liebsten ihre Ruhe, denn sie sei seit den Schmerzen schnell gereizt. Weiterhin sei sie energielos und schwach. Seit gestern hätte sie Probleme beim Stuhlgang, er sei sehr fest und wäre nur sehr schwer herauszubringen. Da ihr Mund so trocken sei, würde sie dauernd trinken, was aber nur kurz besserte.
Mittel: Bryonia C30, 3 Globuli lutschen und 3 Globuli in ½ Glas Wasser auflösen. Heute 3x noch nach kräftigem Umrühren aus diesem Glas 1 Essl. einnehmen (für 3 Tage). Vor jeder Einnahme Glas wieder mit dem Esslöffel auffüllen. Ich empfahl ihr am nächsten Tag nochmals zur Kontrolle der Leukozyten zu ihrem Hausarzt zu gehen.
Reaktion: Nachdem sie das Mittel genommen hatte, legte sie sich ins Bett und schlief bis zum nächsten Morgen durch.
(Anmerkung der Autorin: sehr gute Reaktion!)
Die Leukozyten waren bereits am nächsten Tag bei der Kontrolle beim Hausarzt auf 7000/µL gesunken. Der Mund sei nicht mehr trocken und der Stuhlgang sei weicher geworden. Die Schmerzen um ca. 50% zurückgegangen. Im weiteren Verlauf Rückgang der gesamten Symptomatik.
Nachbeobachtungszeit: 20 Jahre! Die Patientin hat bis heute noch ihren Blinddarm.
Causa:
Folge von Überhitzung, Überanstrengung, Ärger, Zugluft
Die Leitsymptome für Bryonia:
- > Druck, < nachlassendem Druck
- Stechende
- Langsamer
- Reizbarkeit (> Ruhe)
- Ausgeprägte Trockenheit in den Schleimhäuten
- Hält die Brust beim Husten (Bewegung <, Druck >)

Aconitum: Der Eisenhut ist ebenfalls eine hochwirksame Arzneipflanze.
Die wahlanzeigenden Symptome für Bryonia?
Der verstärkte Schmerz bei nachlassendem Druck, der stechende Schmerz, die sich langsam entwickelnde Symptomatik, die Trockenheit in den Schleimhäuten in Darm und Mund und die Reizbarkeit ergaben die Totalität der Symptomatik.
Quelle: Vithoulkas, Theorie und Praxis homöopathischen Heilens, 7. Auflage 2015 © Elsevier GmbH, Urban & Fischer, München

Heilpraktikerin seit 2002 mit dem Schwerpunkt Klassische Homöopathie im Therapeium in Berlin.
Homöopathische Ausbildung:
2001-2003 in Mannheim
2008-2011 bei Dr. med. Alfons Geukens, Belgien, Hechtel
Therapieformen:
Klassische Homöopathie, Wirbeltherapie nach Dorn, Rückenmassagen nach Breuß, Schwermetallausleitungen.

