Es ist Donnerstagmorgen, der 8. Mai 2025. Das Schild an der Tür trägt die Aufschrift „Poseidon 1“, doch es ist der Geist des Asklepios, der heute in diesem Konferenzsaal Einzug erhält. Hinter der großen Fensterfront wiegen sich die Palmen im milden Frühlingswind, drinnen schauen fast über 400 Augenpaare gespannt umher – wissbegierig, aufgeschlossen, konzentriert. Es sind Menschen aus dem gesamten Gesundheitswesen, die hier für sieben Tage auf der griechischen Insel Kos zusammenkommen: Ärzte, Zahnärzte, Therapeuten, Apotheker und Heilpraktiker.
Der Kongress für Integrative Medizin der IGNK ist die größte Fortbildungsveranstaltung für ganzheitliche Ansätze im deutschsprachigen Raum und findet in diesem Jahr zum 22. Mal statt. Hier im Saal spürt jeder, dass das diesjährige Rahmenthema „Resilienz und Selbstwirksamkeit“ einen besonderen Nerv bei den Teilnehmern trifft. Wir befinden uns in einer fordernden Zeit, geprägt von Umbruch und multiplen Krisen. Eine moderne Medizin sollte also nicht allein Krankheit beseitigen, sondern vor allem Gesundheit fördern und Menschen dazu befähigen, ihre inneren Ressourcen zu stärken. Trotz der pluralistischen fachlichen Zugänge herrscht auf Kos Einigkeit über das gemeinsame Ziel: Weg von einem symptomorientierten Reparaturdenken, hin zu einer empathischen, salutogenetischen Heilkunst, die ein Gleichgewicht herstellt und es präventiv erhält. Prof. Dr. Hartmut Schröder, Präsident der IGNK, findet in seinem inspirierenden Eröffnungsvortrag klare Worte: „Die Themen Resilienz und Selbstwirksamkeit sind der Schlüssel zu einem Paradigmenwechsel in der Medizin und Gesundheitspolitik, wenn sich diese wieder aus der Perspektive des Menschen verstehen wollen.“
Sieben Tage Wissen erleben
Der Kongress gliedert sich inhaltlich in fünf Säulen: wissenschaftliche Fachvorträge, praxisorientierte Workshops, optionale Spezialisierungskurse, eine begleitende Industrieausstellung sowie ein buntes Rahmenprogramm.
Jeder Tag auf dem Kongress ist ein Synapsenfeuerwerk, durchzogen von inspirierenden Impulsen und nachhaltigem Erkenntnisgewinn. Bis zum Mittag vermitteln renommierte Referenten in Fachvorträgen neueste Erkenntnisse aus der Forschung und Entwicklung – hochaktuell und aus erster Hand. Die Beiträge sind transdisziplinär und integrativ: Koryphäen aus verschiedensten Fachgebieten verbinden evidenzbasierte Medizin mit alternativen Konzepten. Was hat die Epigenetik mit Resilienz zu tun? Wie fördern sozialpsychologische Dimensionen, wie Liebe oder eine wohlwollende Einstellung anderen gegenüber, unsere eigene Resilienz? Was bedeutet ein gesundes Darmmikrobiom für einen Medizinökologen? Welche konkreten Optionen bietet die Orthomolekulare Medizin oder welche Rolle spielt die Biochemie bei Stress?

Am Nachmittag können die Teilnehmer aus einem großen Angebot an praxisnahen Workshops wählen. Diese intensiven Kurse finden in kleineren Gruppen statt und haben zum Ziel, das am Vormittag erworbene Wissen unmittelbar in anwendbare therapeutische Kompetenz zu überführen.
Im „Artemis 6“ stehen 15 Therapieliegen erwartungsvoll im Raum. In den kommenden drei Stunden erproben Ärzte und Therapeuten hier unmittelbar am eigenen Körper gezielte Übungen zur Vermeidung von Operationen im Muskel-Skelett-System. Im Nebenraum durchforsten Teilnehmer Laborwerte und befassen sich mit moderner Diagnostik bei Entgiftungsstörungen. Das sorgfältig kuratierte Workshop-Programm umfasst sowohl zukunftsweisende Neuentwicklungen wie die Spiraldynamik® (Dr. med. Christian Larsen) oder moderne Neuromodulationsverfahren (Dr. med. Petros Kattou) als auch etablierte naturheilkundliche Verfahren (z. B. Zungendiagnostik, Misteltherapie, Selbsthypnose). Auch hochaktuelle Fragestellungen werden aufgegriffen: So bietet Prof. Dr. med. Harald Matthes, Leiter der anthroposophischen Klinik Havelhöhe, einen fundierten Workshop zur Diagnostik und Therapie von Post-Covid/Post-Vac an – ein Thema, das weiterhin hohe klinische Relevanz besitzt. Im Laufe der Kongresswoche teilen mehr als 70 Top-Referenten ihr Wissen auf dem Kongress, was in einer einzigartigen Fülle an Perspektiven und Impulsen resultiert.

Industrieausstellung auf dem Kongress
In den Pausen steht den Teilnehmern eine Industrieausstellung mit 26 innovativen Firmen zur Verfügung: Von hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. Norsan, NatuGena, OMNi-BiOTiC) über Naturkosmetik (Weleda) bis hin zu hochmodernen Medizingeräten (HF Concepts, Walutec) – auch hier gibt der intensive persönliche Austausch neue Anregungen für den Praxisalltag.
Ergänzend zu diesem umfangreichen Hauptprogramm finden täglich vier Spezialisierungskurse mit ausgewählten Experten statt: Orthomolekulare Medizin, Schmerz, Homöopathie und Selbstwirksamkeitstraining. Alle Teilnehmer, die ein spezielles Themengebiet vertiefen möchten, konnten im Voraus einen dieser Kurse wählen.
Gesundheit braucht Gesellschaft: Medizin im kulturellen Kontext
Wer andere Fachfortbildungen kennt, merkt schnell, was diesen Kongress besonders macht: Hier werden große Fragen gestellt und der Status quo hinterfragt. Man denkt über den Tellerrand hinaus und schafft so Raum für neue Ansätze und Impulse.

Prof. Hartmut Schröder (rechts) und Prof. Jörg Spitz (links) im Plenum
Ein besonderer Fokus auf dem Kongress ist das von Prof. Hartmut Schröder geprägte Konzept der „Kulturheilkunde“. So erhält auch in diesem Jahr auf dem Kongress wieder der gesellschaftlich-kulturelle Aspekt Einzug in die Medizin. Der Philosoph Dr. phil. Christoph Quarch stellt dar, was die moderne Medizin von der antiken Heilkunst lernen kann. Am nächsten Tag kritisiert Prof. Dr. med. Jörg Spitz die Vernachlässigung des gesellschaftlichen Biotops in unserem modernen Gesundheitsverständnis. Ein weiteres Highlight dieser Art folgt am Ende der Woche: In ihrem wortgewaltigen Vortrag zeichnet Star-Therapeutin, Ärztin und Bestsellerautorin Dr. Martina Leibovici-Mühlberger ein präzises Psychogramm unserer kränkelnden postmodernen Konsumgesellschaft.
Doch auf scharfe Sozialkritik und eindringliche Mahnung folgt bei diesem Kongress immer auch ein Lösungsvorschlag. Der unbedingte Wille aller Teilnehmer, sich tagtäglich zu engagieren für eine neue Medizin, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, ist einmalig und bewegend. Dr. Leibovici-Mühlberger bringt es auf den Punkt, als sie im Plenum sagt: „Dieser Kongress ist weit mehr als ein Kongress. Es ist ein Kondensationspunkt für Veränderung.“
Die Kondensation ist der Vorgang, bei dem ein Stoff vom gasförmigen Zustand in seine flüssige Daseinsform übergeht. Eine flüchtige Idee wird zur fließenden Substanz, Denken zum Handeln. Bereits 2024 war der Kongress für Integrative Medizin Startpunkt für die zivilgesellschaftliche Initiative „Haus der hellen Köpfe“. Das um Prof. Dr. Jörg Spitz gegründete Projekt ist mit bereits mehr als 1.000 Mitgliedern Deutschlands erster Gesundheitsclub und versteht sich als Lobby für Gesundheit. Auch in diesem Jahr sind neue Netzwerke entstanden und Projekte weiterentwickelt worden. So öffnete beispielsweise der internationale Swiss Campus der DTMD in abendlichen Zusatzveranstaltungen seine Türen für alle Interessierten.
Info-box
Viele der Vorträge und Hintergrundgespräche mit Top-Referenten finden Sie kostenlos auf unserem YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@ignkev
Intergenerationaler Austausch: In beide Richtungen lernen
Freitagmorgen im Plenum. Wie an jedem Tag sitzt er aufgeweckt in der ersten Reihe und nickt zustimmend, während der Referent neueste Studien zur Genexpression präsentiert. Herr D. ist mit 97 Jahren der älteste Teilnehmer auf unserem Kongress. Er ist praktizierender Allgemeinarzt und fliegt auch in seinem hohen Alter alleine nach Griechenland, um sich weiterzubilden und die Medizin von morgen mitzugestalten. Wenige Reihen hinter ihm sitzen neun Studierende, denen die Teilnahme am Kongress dank großzügiger Spenden ermöglicht wurde. Das Stipendienprogramm ebnet auch jungen Menschen den Weg in die Integrative Medizin und bereichert den Kongress mit neuen Perspektiven.
Am Nachmittag sitzt Maksymilian Celotti mit 20 Teilnehmern im Stuhlkreis. Sie reflektieren die soeben erlebte praktische Demonstration und lauschen gespannt, was der Referent als Nächstes vorbereitet hat. Der 29-Jährige ist Physiotherapeut und hat gerade erst seine zusätzliche Osteopathie-Abschlussprüfung absolviert. Im letzten Jahr hat er noch als Stipendiat an dem Kongress teilgenommen, heute bietet er selbst einen der am besten besuchten Workshops an. Sein Beitrag stößt auf großes Interesse bei Jung und Alt.

Maksymilian Celotti im Workshop
Neben der Wissensvermittlung ist der Kongress für alle Teilnehmer auch ein Ort der Zusammenkunft und der Netzwerkbildung. Gefördert wird nicht nur der Austausch zwischen den einzelnen Fachrichtungen und Heilberufen, sondern auch zwischen den Generationen – und das mit großem Erfolg.
Rahmenprogramm: Verbundenheit und Inspiration
Als Oliver Brünner am Samstagabend die Bühne des voll besetzten Freilichttheaters betritt, kehrt augenblicklich Ruhe ein. Noch eben wurde gelacht und angeregt geplaudert – nun richtet sich alle Aufmerksamkeit auf ihn. Der Theaterabend ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Rahmenprogramms des Kongresses und lebt meist von spontanen Beiträgen der Teilnehmer. Dieses Mal eröffnet ihn Keynote-Speaker Oliver Brünner mit einer atemberaubenden Rede über seinen persönlichen Heilungsweg. Vom Leben im Behindertenheim hin zum erfolgreichen Unternehmer und Marathonläufer – seine Lebensgeschichte ist ein eindrucksvoller Beleg für die Kraft der Selbstwirksamkeit und berührte an diesem Abend viele Anwesende nachhaltig.

Tanzen auf der Theaterbühne nach dem Programm
Es ist ein medizinischer Fachkongress, der in erster Linie durch seine exzellenten Inhalte glänzt, und doch entstehen innerhalb der Woche immer wieder diese Momente der Begegnung und Resonanz, die der Veranstaltung ihre unverwechselbare Tiefe verleihen.
Zahlreiche Teilnehmende kommen bereits seit vielen Jahren nach Kos, haben lokale Netzwerkgruppen initiiert und pflegen den Austausch auch außerhalb des Kongresses. Neue Gesichter kommen auch durch das verbindende Rahmenprogramm rasch in Kontakt mit Gleichgesinnten. Die Frühaufsteher können um sieben Uhr morgens mit einem Yoga- oder Qi-Gong-Kurs am Strand in den Tag starten. Das Get-together am ersten Abend, der gemeinsame Gitarrenabend oder die Strandparty bieten Gelegenheit für informellen Austausch und neue Verbindungen.

Zeremonie im Asklepieion
Ein wahrer Höhepunkt ist die Verleihung der Teilnahmezertifikate am Ende des Kongresses. Für die feierliche Zeremonie versammeln sich die Teilnehmer in den historischen Ruinen des Asklepieion, eines der ältesten medizinischen Zentren der Antike. Bereits vor über 2.000 Jahren wurde hier ein früher ganzheitlicher Heilansatz praktiziert, der Körper, Geist und Umwelt einbezog. Dieser Ort wirkt bis heute zugleich heilig und heilend – durch seine Geschichte, seine Atmosphäre und die Menschen, die ihn bis heute mit Leben füllen. Ein besonderer Rahmen für den Abschluss einer besonderen Woche.
Fortbildung im Urlaubsformat: Die Insel Kos und das Hotel
Kos, die Ägäis-Insel mit ihrer einzigartigen Mischung aus Natur, Kultur und Geschichte, ist weit mehr als nur ein Urlaubsparadies. Als Geburtsort des Hippokrates, des „Vaters der westlichen Medizin“, trägt sie eine tiefe symbolische Bedeutung für den Kongress. Hier, wo schon in der Antike Gesundheit als Zusammenspiel von Körper, Geist und Umwelt verstanden wurde, entsteht ein besonderer Resonanzraum für die Anliegen einer ganzheitlich ausgerichteten Medizin.

Ruinen des antiken Asklepieions
Die Insel verbindet ein mediterranes Lebensgefühl mit antiker Geschichte. Zu den eindrucksvollsten historischen Stätten zählt das Asklepieion – ein antikes Heiligtum zu Ehren des Heilgottes Asklepios. Die Ruinen dieses frühen medizinischen Zentrums sind ein bedeutendes antikes Wahrzeichen der Insel und ein Muss für alle Geschichtsfreunde. Auch die Stadt Kos, die heutige Hauptstadt der Insel, beherbergt zahlreiche archäologische Stätten, darunter ein antikes Theater, ein Kastell aus dem Mittelalter und die Überreste eines antiken Marktplatzes. Die Festung von Neratzia, die über der Stadt thront, bietet einen faszinierenden Einblick in die venezianische Geschichte und einen atemberaubenden Blick auf das Meer. Gleichzeitig lädt die Insel mit ihren feinsandigen Stränden, Olivenhainen und dem beeindruckenden Dikeos-Gebirge zur Erholung und Bewegung ein. Ob Wandern, Schwimmen, Kultur erleben oder kulinarisch genießen – Kos vereint alles, was Körper und Geist wohltut.

Anlage des Neptune Luxory Resort
Der Veranstaltungsort, das „Neptune Luxury Resort“, liegt direkt am Meer inmitten einer weitläufigen Parklandschaft – nur wenige Kilometer von der Stadt Kos entfernt. Das 5-Sterne-Hotel bietet ein breites Angebot an Sport- und Freizeitaktivitäten, Wellness-Optionen und kulinarischen Highlights. Seit über 30 Jahren familiengeführt, verkörpert das Resort nicht nur gehobenen Komfort und Gastfreundschaft, sondern auch ein konsequent nachhaltiges Konzept, das im Alltag spürbar gelebt wird. Mit seiner harmonischen Verbindung von Ästhetik und Naturverbundenheit bietet es das ideale Ambiente für inspirierte Fortbildung in entspannter Atmosphäre.
Save the Date: Kongress 2026
Der nächste Kongress für Integrative Medizin auf Kos findet vom 6. bis 13. Mai 2026 statt. Merken Sie sich den Termin, und buchen Sie Ihren Platz ganz einfach in Kürze unter www.kos-kongress.de. Auch alle weiterführenden Informationen zum Programm und zur Hotelbuchung werden dort rechtzeitig abrufbar sein. Eine Anerkennung unserer Fortbildung durch die Ärztekammer und den Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH) wird auch in diesem Jahr wieder beantragt. Im vergangenen Jahr konnten sich Ärzte 30 Fortbildungspunkte für die Teilnahme anrechnen lassen, Heilpraktiker bekamen sogar 31 Punkte vom BDH.
Im Zentrum des Kongresses 2026 steht der Begriff „Resonanz“, verstanden als mehrdimensionales Phänomen, das weit über seine physikalische Bedeutung hinausreicht. Resonanz ist ein tiefes menschliches Grundbedürfnis und eine Schlüsseldimension für den therapeutischen Erfolg. In Bezug auf therapeutische Situationen meint Resonanz vor allem das empathische und wechselseitige Mitschwingen im Gespräch. Dieses oft als nahezu magische Erfahrung empfundene Phänomen erfordert ein echtes In-Beziehung-Treten – zu sich selbst, zu dem Patienten, aber auch zu dem Heilmittel und vielleicht sogar zur Welt als solcher. Damit steht Resonanz exemplarisch für eine integrative Medizin, die Menschen in ihrer Ganzheit sieht und berührt.

Info-box
Informationen zum Kongress 2026 finden Sie in Kürze unter www.kos-kongress.de.
Autorin: Giovanna Castronari.
Email: castronari@brennglasmedia.de

