Um stille Entzündungen zu verstehen, müssen wir tief ins Innere unserer Zellen blicken. Mithilfe moderner Messmethoden in spezialisierten Laboren (z. B. Vitas Labor in Oslo) kann man herausfinden, was auf Zellebene passiert. Unser Körper besteht aus Billionen von Zellen, und jedes Organ hat spezialisierte Zellen für unterschiedliche Aufgaben. Was all diese Zellen gemeinsam haben, ist die Zellmembran. Die Membran grenzt die Zelle zur Umgebung hin ab und ist wie eine Haut. Sie reguliert den Stoffaustausch (Nährstoffaufnahme, Entgiftung) und ermöglicht die Kommunikation der Zellen untereinander. Ohne Zellmembran wären Zellen und somit auch der Mensch nicht lebensfähig.

Nur schleichend bemerkbar: Silent Inflammation äußert sich nicht in eindeutig greifbaren Symptomen, sondern wirkt heimlich von innen auf unseren Organismus ein.
In den Speziallaboren ermöglichen Chromatographen, den Anteil entzündungsfördernder Omega-6-Fettsäuren und entzündungssenkender Omega-3-Fettsäuren auf der Zelle zu messen und in ein Verhältnis zu setzen. Die Natur sieht ein Verhältnis von 1:1 vor, d. h. einen gleichen Anteil an Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren.
Unter dieser Voraussetzung ist die Zellmembran flexibel, durchlässig für Nährstoffe und frei von Entzündungen. Kommt dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht, entstehen stille Entzündungen direkt auf den Zellen. Die Membran wird starr und unflexibel. Nährstoffe können nicht mehr ausreichend in die Zelle gelangen, und die Entgiftung funktioniert nur noch eingeschränkt. Das durchschnittliche Verhältnis in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt heute bei 17:1, das heißt, es gibt siebzehnmal mehr Omega-6- als Omega-3-Fettsäuren auf der Zelle. Bildlich gesprochen: Siebzehn Häuser brennen und ein Feuerwehrmann versucht, sie zu löschen. Dieses Ungleichgewicht betrifft alle Altersgruppen. Durch den entzündlichen Prozess fährt unser gesamter Stoffwechsel sozusagen mit angezogener Handbremse.

Firefighter der Silent Inflammation: So unverzichtbar wie das tägliche Atmen oder die Zufuhr von Wasser sind für unseren Körper eine gesunde und ausgewogene Zufuhr hochwertiger Omega-3-Fettsäuren. Schließen Sie diese unbedingt in Ihre tägliche Gewohnheit ganz selbstverständlich mit ein.
Doch woher kommt dieses Ungleichgewicht von Omega 3 und Omega 6?
Betrachten wir das Knusperhaus aus dem Märchen von Hänsel und Gretel. In der realen Welt würde niemand ein Haus aus Lebkuchen bauen, denn es ist der falsche „Baustein”. Auch unsere Zellen benötigen die richtigen Bausteine, um zum Beispiel ihre Zellmembran richtig aufzubauen. Dieses „Baumaterial“ nehmen wir mit der Nahrung zu uns. Die Nährstoffe sind essenziell, also lebensnotwendig und die Voraussetzung für Gesundheit. Sind alle nötigen „Bausteine” vorhanden, haben wir gesunde Zellen, frei von Entzündungen. Dann kann die Zelle alle nötigen Nährstoffe aufnehmen, um ihre spezifische Arbeit zu verrichten. Dies kann beispielsweise der Stoffaustausch, die Energiegewinnung, der Stoffwechsel, die Reizaufnahme, die Kommunikation oder die Erhaltung des inneren Gleichgewichts sein.
Wenn wir über das Zuführen von Nährstoffen sprechen, kommen wir am Thema Ernährung nicht vorbei.Die Industrialisierung erreichte in Deutschland im späten 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Was hat sich dadurch verändert? Masse statt Klasse. Es wurden Möglichkeiten geschaffen, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. An dieser Stelle bedarf es einer Begriffsklärung: Nahrungsmittel vs. Lebensmittel. Jedes Nahrungsmittel ist ein Lebensmittel, aber nicht jedes Lebensmittel ist ein Nahrungsmittel.
Nahrungsmittel sind laut Definition Stoffe, die dem Körper Nährstoffe liefern (zum Beispiel Obst, Gemüse, Fleisch oder Fisch). Der Fokus liegt auf den Nährwerten.
Lebensmittel sind dagegen alle Stoffe, die zum Verzehr durch den Menschen geeignet sind, unabhängig davon, ob sie Nährstoffe liefern (zum Beispiel Kaffee, Gewürze, Süßigkeiten, Kaugummi oder industriell verarbeitete Produkte). Der Fokus liegt hier auf dem Verzehr. Viele leere Kalorien und kaum Nährstoffe. Unsere Supermarktregale sind voll, doch unsere Zellen „verhungern” trotz dieser Fülle.

Klingt ähnlich, der Unterschied ist jedoch entscheidend: Nahrungsmittel sind echte, wertvolle Grundlagen unserer Ernährung und liefern kostbare, tatsächlich verwertbare Nährstoffe. „Lebensmittel“ hingegen sind häufig bloße Sattmacher ohne echten Mehrwert für unsere Gesundheit.
Was ist passiert?
Fast Food und Essen „to go“ stehen auf der Tagesordnung. Dabei bleiben Qualität und Nährstoffe auf der Strecke. Hoch verarbeitete Produkte, die reich an Omega-6-Fettsäuren sind und stille Entzündungen fördern, finden sich in nahezu jeder Mahlzeit, die wir zu uns nehmen. Unsere tägliche Ernährung ist voll von Zucker, Zuckeraustauschstoffen sowie chemischen und künstlichen Stoffen, die unser Essen ansehnlich und schmackhaft machen sollen. Hinzu kommen Rückstände von Dünger, Pestiziden, Herbiziden, Weichmachern aus Verpackungen, Schwermetallen, Reinigungs- und Produktionsmitteln, Antibiotika, Hormonen, Mikroplastik und Nanopartikeln, um nur einige zu nennen. Vor der Industrialisierung war die Ernährung regional geprägt und die Jahreszeit deckte den Tisch. Es gab keine Erdbeeren im Winter. Es gab kein Kraftfutter für die Tiere. Und auch keine unreif geernteten, eingeflogenen Obst- und Gemüsesorten. (Die Zuckerbildung, Farbe, Weichheit und teilweise das Aroma können nachreifen, nicht aber Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und die Mineralstoffdichte.) Die allgemeine Nährstoffdichte in den Nahrungsmitteln war vor der Industrialisierung höher und weniger belastet. Ebenso war der Anteil an entzündungssenkenden Omega-3-Fettsäuren deutlich höher. Und genau diese Fettsäuren fehlen uns heute, sodass wir mit Erkrankungen dafür bezahlen.

Allgegenwärtig und allseits bekannt: Durch unseren modernen Lebensstil gefördert, zeigt sich das Ergebnis westlicher Gewohnheiten leider immer häufiger in den inzwischen bekannten Zivilisationskrankheiten.
In meiner Praxis empfehle ich, sich dem Thema stille Entzündungen mit einem Zellmembran-Test zu nähern. Der Zellmembran-Test funktioniert ähnlich wie ein Zuckertest und ist zur Selbstanwendung entwickelt worden. Sie können ihn bequem zu Hause durchführen. Alles, was Sie dazu benötigen, befindet sich im Test-Set. Nach einem Pieks in den Finger und dem Auftropfen von zwei Tropfen Blut auf ein Trägerpapier kann die Beschaffenheit Ihrer Zellgesundheit über einen Zeitraum von ca. 120 Tagen nachgewiesen werden. So können Sie erkennen, ob das Omega-3-Produkt, das Sie möglicherweise bereits einnehmen, auch dorthin gelangt, wo es wirken soll: in die Zellmembran.
Der Nachweis von Omega-3-Fettsäuren im Vollblut (venöse Blutentnahme) ist eine Momentaufnahme, die zeigt, wie viel sich aktuell davon im Blut befindet. Er zeigt jedoch nicht, ob die Fettsäuren auch in die Zellen eingebaut werden können oder ob der Körper die Fettsäuren gar nicht verarbeiten kann, und wir somit nur teuren Urin produzieren. Nachweislich sind die meisten am Markt erhältlichen Omega-3-Produkte unwirksam, da sie nicht ausreichend bioverfügbar sind. Dies wurde in 1,6 Millionen Zellmembran-Tests nachgewiesen
Woher können wir heute Omega-3-Fettsäuren bekommen?
Aus fettem Fisch, der in Aquakultur aufgezogen wurde, mit Kraftfutter und Antibiotika gefüttert wurde und aufgrund der Enge und Masse an Fischen im Becken unnatürlich hohe Stresshormone im Körper hat? Besser nicht. Auch Leinsamen, Chia und Walnüsse enthalten die wertvollen Fettsäuren. Ein täglicher Verzehr von Fisch und Nüssen in den notwendigen Mengen, um den Bedarf zu decken, ist jedoch weder empfehlenswert noch praktikabel, da sich gerade in Fisch Schwermetalle und Belastungen durch das Wasser nachweisen lassen. Das ist alles andere als gesund. Was also tun? Leinöl einnehmen? Dieses Öl liefert vor allem die Fettsäure ALA (Alpha-Linolensäure), ebenfalls eine Omega-3-Fettsäure. Sie spielt jedoch in Bezug auf die stillen Entzündungen eine untergeordnete Rolle, da sie nur in sehr geringem Maße auf der Zellmembran vorhanden ist. Die für die Membran wichtigen Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) können zwar aus ALA im Körper umgewandelt werden, aber nur zu einem sehr geringen Anteil von 5–10 % und nicht in ausreichender Menge. Uns würde schlecht werden, wenn wir so viel Leinöl trinken müssten, um unseren Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken.

Geringe Kaloriendichte, hoher Nährwert: Frische und gesunde Nahrung belastet nicht durch übermäßige Kalorien, sondern überzeugt durch eine ausgewogene Vielfalt hochwertiger Nährstoffe für unseren Organismus.
In meiner Praxis empfehle ich die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren, die nach den Richtlinien des Arzneimittelstandards produziert wurden. Bei einem Ergänzungsprodukt, das beispielsweise in der Drogerie erworben werden kann und nach der Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) produziert wurde, dürfen die Inhaltsstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren) um bis zu minus 20 % bis plus 50 % von dem auf der Verpackung angegebenen Wert abweichen. Bei der Herstellung des gleichen Produkts nach dem Arzneimittelgesetz dürfen nur ca. 5 % der Angabe abweichen. Zudem wird eine höhere Reinheit durch strengere Kontrollen garantiert (Verunreinigungen). Bei der Auswahl eines Omega-3-Ergänzungsprodukts empfehle ich, zusätzlich darauf zu achten, dass es ultrarein zertifiziert ist, eine hohe Bioverfügbarkeit von 35 Stunden aufweist, die Dosierung nach Kilogramm Körpergewicht angegeben wird und die empfindlichen Fettsäuren durch Antioxidantien (Polyphenole) stabilisiert werden.
Und wie lange sollte ich Omega 3 einnehmen?
Gegenfrage: Wie oft müssen Sie atmen oder Wasser trinken? Omega-3-Fettsäuren sind essentiell, das heißt lebensnotwendig, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Wir müssen sie daher über die Ernährung oder ein Ergänzungsprodukt zuführen. Der Körper produziert jeden Tag Millionen neuer Zellen. Damit diese immer das tun, was sie sollen, und nicht irgendwann das tun, was sie „wollen“, sollten wir uns dem Gedanken öffnen, dem Körper auch täglich das zu geben, was er braucht. Von der Schwangerschaft bis ins hohe Greisenalter und für jeden Lebensabschnitt mit seinen besonderen Herausforderungen schaffen wir mit optimaler Zellgesundheit die Grundlage für ein langes und gesundes Leben.

Unsere Zellen sind die kleinste Einheit, aus der wir bestehen. Hier liegt das Fundament, hier beginnt Gesundheit. Einem sanierungsbedürftigen Haus hilft es nicht, wenn wir nur die Wände neu streichen. Ein stabiles Fundament ist notwendig, um Lebensqualität in diesem Haus zu erleben. Ebenso verhält es sich in diesem Haus, das wir Körper nennen. Nach der Kernsanierung, also der Eliminierung der stillen Entzündungen, kann der Körper seine Selbstheilungskräfte ideal entfalten und Befindlichkeitsstörungen können verschwinden. Im Anschluss können, wenn noch notwendig, Therapien besser wirken, da wir die Basis für Gesundheit geschaffen haben.

Tanja Hieronymus ist Heilpraktikerin und arbeitet in einer Praxisgemeinschaft in Dachau. Als zweifache Mutter verbindet sie naturheilkundliches Fachwissen mit einem ganzheitlichen Blick auf Gesundheit und Prävention. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Zellgesundheit, testbasierter Nahrungsergänzung sowie einer praxisnahen Begleitung von Patientinnen und Patienten, die ihre Gesundheit bewusst in die eigenen Hände nehmen möchten. Für Rückfragen zum Artikel ist sie per E-Mail unter tanja.hieronymus@gmx.de erreichbar.

